Kolumne. Die Welt aus Netz und Papier.


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Internet-Partner-Vermittlung


Nachdem sich mein Prinz in einen Exil-Prinzen verwandelt hat und lieber in seiner Jetzt-Wieder-Junggesellenwohnung seine Freiheit genießt, bin ich auf der Suche nach einem neuen Thronfolger.
Angeblich sehen sich viele Männer um die 40 mit einer existentiellen Krise konfrontiert, die mit mehr oder weniger Verwirrung einher geht. Gut, lasse ich ihm seine Angelegenheiten und schau mich mal um in den weiten Welten der Single-Börsen.
"Probiers doch im Internet, heutzutage ist das DIE methode, um jemanden kennzulernen!" sagte ein Freund zu mir. Es hat sicherlich viele Vorteile, man bleibt anonym, solange man will, die Männer sind höchstwahrscheinlich Singles und keine Beziehungsphobiker. Praktisch ein Deus ex machina!
Bei parship haben schon zwei in meinem Bekanntenkreis jemanden zum Verlieben gefunden, das ging bis zum Traualtar oder zum Babybauch. Die dritte Verliebtheit endete in einem Fiasko, vielleicht hält das einfach keiner aus, als 60plus sich wie ein Teenager zu gerieren.
Auf die Frage, ob ich rauche, klickte ich wahrheitsgemäß den Punkt "gelegentlich" an. Schließlich, im Probeprofil, hatten die Paarschiffs einfach "Gelegenheitsraucher" hingesetzt. Und das, nachdem ich letztes Wochenende ein Gender-Mainstreaming-Seminar besucht habe!
Gute Gelegenheit, mich bei der Konkurrenz umzusehen. Im konsument-Test hatte ein großer deutscher Anbieter sehr viele Punkte abgesahnt, die Redaktion bemühte sich mehrmals zu betonen, dass sie nicht für das Glück garantieren können, nur für die Gebrauchsfreundlichkeit.
Es war wie beim ersten Vermittler, sie ködern Dich mit einem Persönlichkeits-Test, einem von renommierten Psychologinnen entwickelten, 1000fach erprobten Fragebogen, der Dich zu nichts verpflichtet. Zu sowas kann ich nicht Nein sagen. Diesmal ist herausgekommen, dass ich nicht gern kommuniziere, das hat mich doch getroffen. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich heute wieder eine Kolumne schreibe. Ätsch!
Wirklich rumgekriegt haben sie mich aber mit dem 50%-Alleinerzieherinnen-Bonus.
Jetzt bekomme ich täglich Grüße von teilweise über 60jährigen Herren aus Hessen und anderen deutschen Bundesländern, die mich mit "Sie" ansprechen und mir versichern, dass ihnen mein Profil gefällt. Meine Güte, was steht denn da schon drinnen? Dass ich Katzen mag, was ich von Sternzeichen bin und noch einiges oberflächliches Blabla.
Die 3 Fragen, die ich deponiert habe, beantwortet keiner. Viele benutzen nur das vorgefertigte Grußformular und schreiben kein einziges persönliches Wort.
Anfangs benutzte ich das vorgefertigte Absageformular. Langsam ist mir auch das zu mühsam. Dass ich von der Sprachpolizei bin, habe ich an dieser Stelle vielleicht schon erwähnt. Wenn ich Strafmandate ausstellen könnte, würde ganz schön viel Geld reinkommen.
"Bezeihung": 10 Euro, ein Schlampigkeitsfehler.
"... daß Wochenende mit ...": 50 Euro, gar nichts verstanden.
Beistrichfehler kommen billiger.
Ganz teuer würde folgendem Herrn die Themenverfehlung inkl. Satzfehler zu stehen kommen: "Ich schlenderte den Weg der Verführung, da sties ich mit dem Fuß gegen einen Stein, es warst DU ... und als ich ihn aufhob, sah ich, das es ein Diamant war ..."
Aber ehrlich, das ist so grässlich, dass es schon wieder gut ist. Er hat sich ein Mail verdient, dachte ich. Zumindest ein vorgefertigtes Absageformular.
Den Frauen, die sein Stil anspricht, empfehle ich den Schluss: "Dein Diamant, der am Wegesrand Deiner harrt." Daraus kann eine wunderbare Freundschaft werden!

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