Kolumne. Die Welt aus Netz und Papier.


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Angie


Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Frauen oft einen Vornamen in verkleinerter Form tragen? Und das trifft auch auf berühmte, weil mächtige oder supergescheite Ladies zu.
Angela Merkel, seit 4 Jahren laut Forbes-Rangliste mächtigste Frau der Welt – ist ja auch schon was, oder – wird in deutschen Blättern ständig „Angie“ genannt.
Zitat: „Deutschland ist voll des Lobes und freut sich über seine modische Kanzlerin Angela Merkel (53). 'Royal Angie' verblüffte und bezauberte unlängst mit ungewohnt tiefem Dekolleté bei der Eröffnung der Neuen Oper in Oslo. Doch wie sieht es jenseits deutscher Grenzen mit den schönen und stilsicheren Politikerfrauen aus?“ Zitatende.
Der Nachsatz mit „jenseits der Grenzen“ beschäftigt mich – was ist mit „Politikerfrauen“ gemeint? Soweit mein Deutsch reicht, bedeutet das: Frauen von Politikern. Ist Frau Merkel auch die Frau eines Politikers? Ne, ne, der Alte ist Chemiker.
Mit über 50 würde ich das nicht mehr wollen, mit dem Diminutiv angeredet zu werden. Der Duden sagt zu „Diminutiv“: Ableitungsform eines Grundwortes, die im Vergleich zur Bedeutung des Grundwortes eine Verkleinerung ausdrückt, oft emotionale Konnotationen hat und auch als Koseform gebraucht wird.
Gut, dass man mit einer Frau kosen will, sei es, weil man sie als mütterlich empfindet oder als sexy, kann ich nachvollziehen.
Mick Jagger hat mit den Rolling Stones ein wunderschönes Lied mit dem Titel „Angie“ aufgenommen. Warum sagen nicht viel mehr Leute, oder überhaupt irgendwer, Mickie Jagger zu dem Sänger? Weil – emotionale Konnotationen haben sicher einige, und das mit dem Kosen würde auch viele nicht ausschließen: „Den Mickie würd ich nicht von der Bettkante stoßen!“ Zumindest früher, der Mann ist ja auch schon über 60, hat 7 Kinder und ein paar Enkel.
Und warum ist unser Jörgl nie zum Jörgie avanciert? Warum sind Koseformen nur Fussballern vorbehalten und Sportreportern? Edi Finger, der Alte und der Junge, Hansi Krankl, auch Hansee, aber da kenn ich mich ehrlich gesagt zu wenig aus.
Jedenfalls plädiere ich für Gleichberechtigung: Werni Faymann und Seppi Pröll – Bundeskanzler und Stellvertreter, Reini Lopatka und Andi Schieder – Staatssekretäre für Finanzen, Hansi Hahn (Wissenschaft) und Ali Stöger (Gesundheit). Und wen haben wir im Innenministerium? Die Mizzi, Mizzi Fekter, unter dem Namen kennen wir sie schon.
Dass mir jetzt keiner sagt, ich mach die Herrschaften lächerlich!
Am besten finde ich den Vornamen der Frau des ehemaligen deutschen Bundeskanzler Helmi (!) Schmidt: Sie wird Loki genannt, das ist eine Verkleinerung von – na? – Hannelore. Genau!
Zum Trost für alle Frauen in der p.t. Leserschaft, die ich ja allesamt für „starke Frauen“ halte, schließe ich mit folgendem Zitat: „Starke Frauen können auch kräftige Farben tragen: Hillary Clinton zeigt sich im Wahlkampf von ihrer farbenfrohen Seite im pinkfarbenen Blazer und mit passendem Halstuch.“

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