SALAZAR
Zwischen 1910 und 1926 hatte Portugal insgesamt 45 Regierungen, die
großteils durch einen Militärputsch an die Macht gekommen waren.
Im Mai 1926 war es wieder so weit - einer
der neuen Namen lautete Antonio de Oliveira Salazar. Als Wirtschaftsprofessor
an der Uni Coimbra wurde er zum Finanzminister bestellt und mit weitreichenden
Befugnissen ausgestattet, um Ordnung in Portugals Staatshaushalt zu bringen.
Dies tat er mit großem Erfolg, sodass er 1932 Premierminister wurde.
Und das blieb er die nächsten 36 Jahre. Er rief 1933 einen
"Neuen Staat" (Estado Novo)
aus: nationalistisch, katholisch, autoritär und repressiv.
Alle politischen Parteien außer seiner National Union wurden verboten,
ebenso Streiks. Die ArbeiterInnen wurden organisiert in
arbeitgeber-kontrollierten Vereinigungen. Die gefürchtete PIDE (Policia
Internacional e de Defesa do Estado) benutzte Folter und Inhaftierung, um die
Opposition zu unterdrücken.
International spielte er ein doppeltes Spiel: Inoffiziell unterstützte
er Francos Nationalisten im Spanischen Bürgerkrieg. Während WW 2
erlaubte er trotz Portugals Neutralität den Briten Flugplätze auf
den Azoren zu benutzen, gleichzeitig verkaufte er den Nazis bis 1944 illegal
Wolfram. 1997 wurde bekannt, dass er den Transfer von 44 Tonnen Gold aus
Naziplünderungen von der Schweiz nach Portugal gutgeheißen hatte.
Was ihm schließlich international zum Problem wurde, waren die
Kolonien. Salazar weigerte sich, die
Länder in die Unabhängigkeit zu entlassen, und sah sich mit
immer höheren Kosten für Militärexpeditionen konfrontiert,
die auch innerhalb des Heeres immer unpopulärer wurden. 1961 wurde
Goa von Indien besetzt, in Angola erhoben sich Nationalisten, ähnliche
Guerilla-Bewegungen gab es in Portugiesisch-Guinea und in Mozambique.
1968 erlitt Salazar einen Schlaganfall und starb 2 Jahre später. Sein
Nachfolger Marcelo Caetano versuchte Reformen durchzusetzen, erreichte
jedoch nur noch mehr Unruhe.
Einige 100 Offiziere, die genug von den Einsätzen in
Kolonialkriegen hatten, bildeten
die MFA (Movimento das Forcas Armadas) und führten am 25. April 1974
einen beinahe unblutigen Putsch aus, der später zärtlich
"die Revolution der Nelken" genannt wurde, weil einige Soldaten
Nelken in ihre Gewehrläufe gesteckt hatten.
Nelken sind in Portugal noch heute das Symbol für Freiheit.
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